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Vienna Pride 2021

im Kunsthistorischen Museum, Weltmuseum Wien & Theatermuseum

Von 7. bis 20. Juni 2021 findet in Wien die Pride statt. Aus diesem Anlass haben das Kunsthistorische Museum, das Weltmuseum Wien und das Theatermuseum ein queeres Programm für Sie zusammengestellt. Werfen Sie mit uns neue Blicke auf Alte Meister und kuriose Objekte und entdecken Sie Uneindeutiges, Ungewöhnliches und Erotisches, wo Sie es vielleicht nicht vermuten.

Digitale Angebote

Drag Queen Führung mit der Tiefen Kümmernis

Die Drag Queen Tiefe Kümmernis führte 2019 im Rahmen des Projektes FACES durch das Kunsthistorische Museum. Ihr Alter Ego heißt Benjamin, ist studierter Kunsthistoriker und arbeitete bei uns als Kunst­vermittler. In diesem Video lädt die Tiefe Kümmernis zu queeren Erkundungs­touren in der Gemälde­galerie ein.

Wie queer war die Renaissance?

Die italienische Renaissance gilt nicht nur als das Zeitalter, in dem sich das »moderne« Individuum etablierte, sondern auch als jenes, in dem sich neue Konzepte von Androgynie entwickeln konnten. Unzählige Kunstwerke belegen diese »Annäherung der Geschlechter« durch die Überschneidung von Körperideal und Rollenverhalten.

In diesem Vortrag aus dem Jahr 2019 geht Dr Elisabeth Priedl der Frage nach: Wie queer war die Renaissance?

Instagram Führung "I like butts"

Auf dem Instagram Account des Kunsthistorischen Museums finden regelmäßig Kurzführungen zu Spezialthemen statt. Diese Instagram-Führung stand ganz unter dem Motto "I like butts". Begleiten Sie unsere Kunstvermittlerin durch die Gemäldegalerie auf der Suche nach den schönsten gemalten Derriers.

Unsere Veranstaltungen ab

So queer ist das Kunst­historische Museum…

Das Kunsthistorische Museum zeigt Objekte aus fünf Jahrtausenden – aber wie passt denn das zur Pride? Man könnte denken, dass LGBTI*-Personen erst seit kurzer Zeit existieren und sich in historischen Kunstsammlungen deswegen keine Hinweise auf sie finden ließen. Das ist jedoch falsch – schon immer existierten unterschiedliche Arten von geschlechtlicher Identität und sexueller Anziehung, jedoch gab es die heutigen Bezeichnungen dafür noch nicht.

*) LGBTI* = Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Intersex;
Der Asterisk (*) steht für die Erweiterbarkeit dieser Aufzählung.

Inter­ge­schlecht­lich­keit

Intergeschlechtliche Menschen werden mit Geschlechts­­merk­­­malen geboren, die nicht eindeutig den Kategorien „männlich“ oder „weiblich“ zuzu­­ordnen sind. Das ist eine natür­liche Varianz, die schon immer vorkam. Auch in der Mytho­­logie schlägt sich dies nieder – der Herma­­phroditus ist die bekann­teste antike Sagen­­figur, die inter­geschlecht­­lich ist.

In der Neuzeit wurde die Geschichte des Hermaphroditus gerne dargestellt, jedoch waren sich die Künstler*Innen nicht immer einig, ob und wie man intergeschlechtliche Körper darstellen soll.

Der Begriff Androgynie („Mannfraulichkeit“) wurde manchmal gleichbedeutend mit Intergeschlechtlichkeit verwendet. Heute jedoch verwendet man das Wort meist im Zusammenhang mit Schönheitsidealen. In der europäischen Kunst um 1600 waren Figuren mit androgynem Aussehen äußerst beliebt. Beispielsweise sehen sich Bacchus und Ceres, die eigentlich unterschiedlichen Geschlechts sind, in einem Bild von Bartholomäus Spranger sehr ähnlich. 


Homosexualität und Bisexualität

Ein relativ bekanntes Beispiel ist die gleichgeschlechtliche Liebe unter Männern im antiken Griechenland und Rom. Von mehreren Herrschern wissen wir, dass sie neben ihren Ehefrauen männliche Liebhaber hatten, die ihnen sehr viel bedeuteten. Dazu gehören Hadrian, Traian und Alexander der Große. Man könnte aus der heutigen Sicht also von Bisexualität oder Homosexualität sprechen. Von den Frauen der Antike ist ähnliches anzunehmen. Sie durften jedoch kaum am öffentlichen Leben teilhaben und deswegen gibt es wenige Zeugnisse darüber, wen und wie sie liebten. Eine berühmte Ausnahme ist die Dichterin Sappho, die auf der Insel Lesbos (daher kommt auch der Begriff lesbisch) lebte und die innerliche sowie äußerliche Schönheit ihrer Freundinnen beschrieb.

Auch mächtige Kämpfer liebten mitunter Angehörige des eigenen Geschlechts. Der sagenhafte Held Achilles hatte einen Partner namens Patroklos. Als dieser im trojanischen Krieg vom gegnerischen Hektor getötet wurde, ermordete Achilles Hektor daraufhin aus Rache. Auf einer antiken Vasenmalerei kann man sehen, wie der Vater des Hektor die Leiche seines Sohnes (unter der Liege) vom liegenden Achilles (obenauf liegend) zurückfordert.

Es gibt auch einige Künstler, über deren sexuelle Neigungen schon zu ihren Lebzeiten spekuliert wurde. Caravaggio, der möglicherweise bisexuell war, ist ein besonders bekanntes Beispiel dafür. 

Mehr zu Caravaggio können Sie HIER erfahren.

Auch am Hof der Habsburger in Wien gab es gleichgeschlechtliche Liebe. Isabella von Bourbon-Parma war 19 Jahre alt, als sie den späteren Kaiser Joseph II. heiratete. Sie schrieb Briefe mit ihrer fast gleichalten Schwägerin, Erzherzogin Marie Christine. Den Briefen kann man entnehmen, dass die beiden Frauen durch mehr als nur gegenseitige Bewunderung verbunden waren („Adieu, ich küsse Sie und bete Sie an bis zu einem Grade, den ich nicht sagen kann“, und viele weitere Beispiele). 


Travestie

Auch der Kleidertausch zwischen Mann und Frau sowie das Überschreiten von sozial festgeschriebenen Geschlechtergrenzen findet sich in der Kunst wieder. Die Geschichte von Herkules und Omphale beschreibt, wie der Held sich als Sklave einer Königin verdingen musste und die beiden sich ineinander verliebten. Zum Spaß – oder sogar zur Luststeigerung – sollen sie ihre Kleider getauscht haben. Jedoch hat sich Herkules an seine weibliche Rolle gewöhnt, was in den Erzählungen mit Unterwürfigkeit einherging und sehr negativ gewertet wurde. Omphale dagegen hatte durch den Kleider- und Rollentausch keinen Grund zur Scham – sie gewann sogar an Ansehen und Macht. Eines Tages besann sich Herkules wieder seiner Heldenrolle und verließ Omphale. 


Der weibliche Blick

Immer wieder gelang es Frauen, sich in der patriarchalen Gesellschaftsordnung Europas zu behaupten und künstlerisch erfolgreich zu sein. Michaelina Woutiers aus Flandern ist ein perfektes Beispiel dafür. Ihr Bacchanal ist monumental groß, was man Malerinnen damals gar nicht zutraute. Das Bild zeigt den Anführer des Gelages, Bacchus, nicht als unattraktiven Säufer, sondern als anziehenden Akt im Bildzentrum. Darin könnte man eine Umkehr des männlich-heterosexuellen Blicks, der die Kunstgeschichte dominiert, erkennen. Die Malerin hat eventuell sogar ein verstecktes Selbstporträt in der Figur am rechten Bildrand inkludiert.
 

So queer ist das Weltmuseum Wien…

Das Weltmuseum Wien zählt mit seinen umfassenden Sammlungen von ethnografischen Objekten, historischen Fotografien und Büchern zu außereuropäischen Kulturen zu den bedeutendsten ethnografischen Museen der Welt. Unter den vielen Objekten aus aller Welt finden sich auch zahlreiche Hinweise darauf, dass queere Themen nicht erst eine „Erscheinung“ unserer Zeit sind, sondern schon sehr lange Teil unterschiedlichster Kulturen waren und sind.

Bahuchara Mata

In Indien und anderen Regionen Südasiens werden Mitglieder eines dritten Geschlechtes, die weder als Mann, noch als Frau gelten, als Hijra bezeichnet. Hijras werden bereits in den indischen Mythen des Ramayana bzw. Mathabaratha erwähnt. Die Gemeinschaft der Hijras umfasst heute zwei bis drei Millionen Menschen in Indien und seit 2009 werden Hijras juristisch als drittes Geschlecht anerkannt. Bahuchara Mata ist die Göttin der Hijras und wird von diesen verehrt. Es gibt verschiedene Legenden über Bahuchara Mata: einmal war die Göttin eine Prinzessin, die ihren Gatten kastrierte, da dieser mehr Interesse daran hatte sich im Wald wie eine Frau zu benehmen als sich auf ehelichen Beischlaf zu konzentrieren. In einer anderen Geschichte verflucht Bahuchara Mata einen Mann mit Impotenz, da er sie belästigte und erst nach dem er seine Männlichkeit aufgab, sich weiblich kleidete und Bahuchara Mata verehrte, verzieh sie ihm.

Tara

Im gelehrten Buddhismus verkörpert die Göttin Tara „die schützende Aktivität des Mitleids“. Sie schützt vor den Gefahren, die den Strebenden auf dem Weg ins Nirvana drohen: Stolz, Verblendung, Zorn, Eifersucht, irrige Ansichten, Geiz, Begierde und Zweifel. Für viele Laien nimmt sie beinahe mütterliche Qualitäten an, wenn es gilt, Unterstützung bei den Problemen dieser Welt zu finden.

Nach der Überlieferung des tibetischen Buddhismus war Tara vor langer Zeit als eine Prinzessin inkarniert, die unentwegt zum Wohle der fühlenden Wesen arbeitete. Als sie eine hohe Stufe der Verwirklichung erlangte, meinte ein spöttischer Mönch, sie könne ja von nun an bewusst im (vermeintlich) günstigeren männlichen Körper inkarnieren, da der Körper einer Frau doch eher hinderlich zur Erlangung der Erleuchtung sei. Daraufhin legte die Prinzessin das Versprechen ab, fortan ausschließlich als Frau zu inkarnieren, um Erleuchtung in einem weiblichen Körper zu erlangen. In Tibet wurde sie nach dem Erreichen ihres Zieles als die Befreierin Tara bekannt und zur Inspiration für Generationen von Praktizierenden beiderlei Geschlechts. Sie demonstrierte mit ihrer Erleuchtung, dass ein weiblicher Körper in gleicher Weise zur Erlangung der Erleuchtung befähigt, wie ein männlicher.


Walter Spies

Der deutsche Maler, Musiker und Sammler Walter Spies (1895–1942) war einer den besten Bali-Kenner seiner Zeit. Spies sammelte die ornamentreichen Motive der Lamak und hielt sie mit Bleistift und Tinte auf Papier fest. Lamak aus Palmblättern werden in balinesischen Tempeln aufgehängt und nach nur wenigen Tagen als verwelktes Material entsorgt. Er litt als Homosexueller stark unter den Anfeindungen der holländischen Kolonialregierung in Indonesien und wurde mehrfach in Haft genommen. 

So queer ist das Theater­­museum…

Theater und Gender

Die Bühne, eine Welt des Scheins und der Illusion: Sollte da nicht auch das Geschlecht einer Person irrelevant sein? Ein Blick auf das Theater der Vergangenheit und Gegenwart zeigt aber ein anderes Bild. Bis heute prägen nur zwei Geschlechter in stereotypen Darstellungen die Charaktere in dramatischen Texten und deren Umsetzung auf der Bühne. Einen nicht unwesentlichen Anteil daran haben die sogenannten „Klassiker“, die bis heute in weiten Teilen die Spielpläne bestimmen. In den letzten Jahren setzten sich jedoch einzelne Dramatiker*innen und Theaterproduktionen verstärkt mit der Diversität der Gesellschaft, etwa in Bezug auf Geschlecht und sexuelle Orientierung, auseinander, um den männlich dominierten Kanon aufzubrechen. Damit einher geht auch, dass am Theater übliche Hierarchien und Normen in Frage gestellt und etwa durch partizipative Arbeitsweisen unterlaufen werden. Neue Perspektiven auf bekannte Charaktere aus den Klassikern der Theatergeschichte, wie etwa Hamlet oder Medea, ermöglichen es ebenfalls, vorgefertigte stereotype Muster und Verhaltensweisen zu hinterfragen.

Wer hat hier die Hosen an?

Bereits in der Antike waren Hosen als Kleidungsstücke bekannt, aber erst ab dem 14. Jahrhundert kam es weitgehend zu einer geschlechtlichen Zuschreibung. Auch wenn vor allem Männer Hosen getragen haben, war es über die folgenden Jahrhunderte hinweg den Frauen im Prinzip nicht verboten, sie ebenfalls anzuziehen. Das änderte sich erst mit dem Zeitalter der Aufklärung und dem Aufstieg des Bürgertums. Die strikte Trennung der männlichen und weiblichen Welt mit den Zuschreibungen von geschlechtsspezifischen Eigenschaften schlug sich auch in der Mode nieder. Die (praktisch zu tragende) Hose wurde der (männlichen) Arbeitswelt zugerechnet, wenn sie von einer Frau getragen wurde, kam das einem Angriff auf patriarchale Gesellschaftsstrukturen gleich. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde schließlich das Wort „Hosen“ überhaupt als Synonym für „Männer“ gebraucht. Die darauf verweisende Phrase „die Frau hat die Hosen an“ ist noch bis heute bekannt.

 

Hosenrollen

Das Theater fungierte schon immer als Spiegel der Gesellschaft. Soziale und politische Anliegen – im positiven wie im negativen Sinn – wurden auch über die Bühne vermittelt. Sozial engagierte Dramatiker*Innen, die Diskriminierten eine Stimme geben, gab es schon immer. So war Frauen etwa jahrhundertelang verboten, öffentlich aufzutreten, erst mit der Commedia dell’arte im ausgehenden 16. Jahrhundert betraten die ersten Schauspielerinnen die Bühne. Davor wurden Frauenrollen von Männern gespielt. Mit dem Betreten der Bühne war der emanzipatorische Kampf jedoch noch lange nicht zu Ende, Aussehen und Kleidung sowie das Verhalten abseits des Theaters spielten eine weitaus bedeutendere Rolle als bei Männern. Frauenfiguren in klassischen Theaterstücken sind zudem meist Rollen mit wenig Inhalt und einem einseitigen Frauenbild. Männerrollen zu übernehmen gab Schauspielerinnen die Möglichkeit, facettenreichere Charaktere zu zeigen. Das Tragen der Hose auf der Bühne ist gleichzeitig auch ein Angriff auf patriarchale Gesellschaftsstrukturen.

Hamlet – eine Frau?

Schauspielerinnen erobern in Europa je nach Region seit dem 16. bis 18. Jahrhundert die Bühnen und schlüpfen alsbald auch in Männerrollen. Hamlet wird nachweislich seit dem 18. Jahrhundert auch von Frauen verkörpert. Die Rolle scheint dafür besonders beliebt zu sein, verkörpert sie eben nicht das „typisch Männliche“, sondern stellt das Androgyne in den Mittelpunkt. Im ausgehenden 19. Jahrhundert ändert sich das Bild – Adele Sandrock beispielsweise fand als Hamlet wenig Beifall. In der Zeit des Naturalismus und auch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und der Zeit des Nationalsozialismus wollte man Frauen in typischen Frauenrollen sehen. Seit den 1950er Jahren finden sich jedoch wieder vermehrt weibliche Darstellerinnen als Hamlet.

Fiaker-Milli

Die österreichische Wienerliedsängerin Emilie Turecek (1846–1889) war in Wien als „Fiaker-Milli“ allseits bekannt. Als eine der ersten Volksliedsängerinnen stellte sie in Vergnügungslokalen oder auf Wäschermädel- und Fiakerbällen mit ihrem überschäumenden Temperament und ihren Tabubrüchen die Welt auf den Kopf. Für ihre Auftritte in Hosen brauchte sie sogar eine polizeiliche Genehmigung, da das Kleidungsstück damals Männern vorbehalten war. Ihr Jockeykostüm mit eng anliegenden Hosen, Stiefeln und Reitgerte sorgte für großes Aufsehen. Bei ihrer Hochzeit mit dem Fiaker Ludwig Demel war die Anzahl der Schaulustigen so groß, dass der Tramway-Verkehr zeitweise zum Erliegen kam. Emilie Demel, wie sie nun hieß, arbeitete im Fuhrwerksunternehmen ihres Mannes und wollte selbst Kutscherin werden, was für eine Frau für die Zeit äußerst ungewöhnlich war. Der Betrieb ging jedoch bankrott und die „Fiaker-Milli“ starb mit 42 Jahren völlig verarmt an Leberzirrhose.

Mit der Figur der Fiaker-Milli setzte Hugo von Hoffmannsthal Emilie Turecek in seinem Libretto zur Oper Arabella von Richard Strauss ein Denkmal.

Fridolins heimliche Ehe

Adolf Wilbrandt, zu Lebzeiten gefeierter und für seine breite Themenvielfalt bekannter Schriftsteller sowie von 1881 bis 1887 Burgtheaterdirektor, verfasste 1875 die Erzählung Fridolins heimliche Ehe. Die bisexuelle Hauptfigur ist angelehnt an einen Freund Wilbrandts, den Kunsthistoriker Friedrich Eggers. Die Erzählung erschien als erste von Wilbrandts Werken in englischer Übersetzung 1884 in den USA und ist wohl der erste deutschsprachige literarische Text, in dem eine homosexuelle Beziehung mit Perspektive dargestellt wird. Der moderne Begriff „Homosexualität“ entstand überhaupt erst im 19. Jahrhundert, wenngleich es homosexuelle Handlungen schon immer gab, allerdings wurden sie nicht als solche bezeichnet. Erst im Zuge der Festschreibung von bestimmten geschlechtsspezifischen Charakteristika, Stereotypisierungen und Idealen kam es zur Zuschreibung einer homosexuellen Identität, als „dem Anderen“, „dem Perversen“.

Wilbrandts Erzählung war seiner Zeit weit voraus, weshalb sie später nicht nur in literarischen, sondern auch immer wieder in wissenschaftlichen Texten zu Homosexualität Erwähnung fand.

Der Tod in Venedig

Der Tod in Venedig ist 1912 erschienen und stellt eine von Thomas Manns international erfolgreichsten Novellen dar. Ein älterer Schriftsteller steigert sich in eine unerfüllbare Liebe zu einem Jugendlichen hinein, um daran letztlich zu sterben.

1971 verfilmte Luchino Visconti den Text, 1973 wurde Benjamin Brittens Oper Death in Venice beim von ihm und seinem Lebenspartner, dem Tenor Peter Pears, mitbegründeten Aldeburgh Festival in Suffolk uraufgeführt. In Wien wurde die Oper u.a. 1994 im Wiener Operntheater aufgeführt.

Benjamin Britten gilt als einer der bedeutendsten britischen Komponisten. Zu seinen bekanntesten Opernwerken zählen Billy Budd (1951), ebenfalls die Vertonung einer Novelle, diesmal von Herman Melville, A Midsummer Night’s Dream (1960) sowie das bereits 1945 uraufgeführte Peter Grimes. Die 2015 erfolgte Neuinszenierung von Peter Grimes am Theater an der Wien wurde mit dem International Opera Award ausgezeichnet. Benjamin Britten und Peter Pears lebten bereits als Paar zusammen als in Großbritannien Homosexualität noch unter Strafe stand. Es war ein offenes Geheimnis, über das niemand sprach. Es ermöglichte, dass Britten in der damaligen Gesellschaft sehr erfolgreich war, viele Kompositionsaufträge bekam, zur königlichen Familie eingeladen wurde, gleichzeitig aber auch homoerotische Liederzyklen schuf und mit seinem Partner gemeinsame öffentliche Auftritte absolvierte.


Rollenbilder

Viele Tänzerinnen haben sich mit vorgegebenen Rollenbildern aus­einander­gesetzt und Kritik an geschlechts­spezifischen Rollen­zuweisungen geübt. Die Nonne gilt wohl als Inbegriff der asexuellen Frau, die ihr Leben Gott verschrieben hat. Das Spiel mit dem Nonnen­kostüm ist also ein Spiel mit Körperlichkeit und Sexualität. Hier begegnen wir Mura Ziperowitsch, die in einem nonnen­ähnlichen Kostüm auf die weibliche Körperlichkeit verweist.


Befreiung

Der Moderne Tanz ist auch eine Geschichte der Befreiung der Frauen. Sie befreien sich aus dem Zwang von Institutionen, gründen eigene Studios, sind Tänzerinnen, Choreografinnen und Pädagoginnen und führen ein unabhängiges Leben. Die Tänzerinnen lassen vorgegebene Strukturen, Figuren und Posen des klassischen Balletts sowie Korsett und Spitzenschuh hinter sich, tanzen barfuß und mit wehendem Haar.